Das soziale Geschlecht („Gender“)

In Gesellschaften funktionieren Menschen über erlernte Verhaltensweisen. Unsere Sprechweisen, unser Benehmen, die von uns verwendeten Dinge und unsere Verhaltensweisen – all das signalisiert, wer wir sind und trägt zur Schaffung von Interaktionsregeln bei. Der Begriff Gender ist ein Aspekt in diesem Konglomerat von Verhaltensweisen und Einstellungen und beschreibt alle sozialen Aspekte von Geschlecht.[1]

Gender nimmt Bezug auf eine geschlechterspezifische Rollenverteilung und wird bedingt durch eine Vielzahl von soziokulturellen Umweltfaktoren wie Gesellschaftssystemen, familiären Strukturen und kulturellen Erziehungswerten. Neben diesen soziokulturellen Faktoren können interpersonell stark variierende Faktoren wie sportliche Aktivität, Berufswahl, Ernährungsweise oder erlebte Traumata die Geschlechterrolle deutlich prägen. Geschlecht kann auf sozialer, gesellschaftlicher, kultureller oder auch psychologischer Ebene betrachtet werden und damit mehrdimensional auf Entstehung und Verlauf von Erkrankungen Einfluss nehmen.

Zum Beispiel sind Männer aufgrund ihrer sozialen Rolle häufiger als Frauen in Berufen tätig, die mit körperlicher Schwerstarbeit, erhöhtem Unfallrisiko oder der Exposition gegenüber pathogenen Noxen einhergehen. Auch im Privaten zeigen Männer einen risikoreicheren Lebensstil, der sich durch einen riskanten Fahrstil (Studien belegen deutlich mehr männliche Verkehrsopfer) oder gefährlichere Sportarten äußern kann. Frauen leiden dagegen häufiger unter einer Doppelbelastung aufgrund familiärer und beruflicher Herausforderungen und dem Gefühl, niemandem gerecht werden zu können. Entscheidend ist, den Begriff Gender keinesfalls als separiert vom biologischem Geschlecht („Sex“) zu begreifen. Vielmehr ergibt sich eine lebenslange Interaktion auf biologischer und sozialer Ebene, die in der Medizin für fast alle Krankheitsbilder eine Rolle spielt.[2][3]



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Literatur[Bearbeiten]

  1. Technische Universität Wien. Geschlecht und Innovation in Naturwissenschaft, Technik, Medizin und Umwelt; 2015 [cited 2016 Mar 2]. Available from: URL: http://geschlecht-und-innovation.at.
  2. Kindler-Röhrborn A, Pfleiderer B. Gendermedizin - Modewort oder Notwendigkeit?: - Die Rolle des Geschlechts in der Medizin. XX 2012; 1(03):146–52.
  3. The Netherlands Organisation for Health Research and Development. Gender and Health: Knowledge Agenda. Den Haag; 2015.

Soziales Geschlecht