Medikamentöse Behandlung und Nebenwirkungen/Einführungsartikel

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Männer und Frauen unterscheiden sich auf vielfache Weise hinsichtlich des Gebrauchs und der Wirkung medikamentöser Behandlungen. Frauen befinden sich nicht nur häufiger in medikamentöser Behandlung, sondern leiden auch öfter als Männer und deren Nebenwirkungen.[1] So besteht für Frauen im Vergleich zu Männern ein um 50 bis 70 Prozent höheres Risiko, dass Arzneimittelnebenwirkungen auftreten.

Bis zum letzten Jahrhundert wurden Frauen (und weibliche Versuchstiere) systematisch aus medikamentösen Forschungsbedingungen ausgeschlossen.[2] Grund war die Annahme, die Studienergebnisse würden durch den weiblichen Hormonzyklus oder die Einnahme von Kontrazeptiva beeinflusst werden. Zudem befürchtete man einen frühzeitigen Drop-out aufgrund von Schwangerschaft während des Untersuchungszeitraums. Inzwischen besteht die Erkenntnis, dass genau diese hormonellen Einflüsse auf Medikamenteneinnahmen notwendig sind zu untersuchen. Genauso sollte das Risiko einer Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft konkreter erforscht werden (zu bestimmten Medikamenten wie Antidepressiva liegen bereits Studienergebnisse vor).[3]

Ausblick
Die multiple Einnahme von Medikamenten bei Frauen im Vergleich zu Männern kann nicht allein durch den Gebrauch von Verhütunsmitteln  erklärt werden. Auch nach der Menopause nehmen Frauen mehr und häufiger Medikamente ein. Aktuell ist zu wenig darüber bekannt, was für spezifische Effekte gewisse Medikamente und Medikamentenkombinationen auf Frauen in unterschiedlichen hormonellen Phasen haben. Weitere Forschungen bezüglich Sex und Gender könnten deutliche Gesundheitsgewinne sowie Kosteneinsparungen ermöglichen.[4]Bei der Bestimmung einer geeigneten Medikamentendosis sollte zukünftig das jeweilige Geschlecht, aber auch Aspekte wie Körpergröße, Alter sowie Komorbiditäten stärker berücksichtigt werden. Im Allgemeinen können hormonelle und immunologische Faktoren sowie anatomische, physiologische, biochemische und endokrine Geschlechterunterschiede die Medikamenteneinnahme und -verträglichkeit beeinflussen.

Literatur[Bearbeiten]

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  1. Merens A, van den Brakel, M. Emancipatiemonitor 2014. Den Haag: SCP/CBS; 2014 Dec 16.
  2. Merkatz RB, Junod SW. Historical background of changes in FDA policy on the study and evaluation of drugs in women.Academic medicine :journaloftheAssociationof American Medical Colleges 1994; 69(9):703–7.
  3. Macklin R. Enrollingpregnantwomen in biomedicalresearch. The Lancet 2010; 375(9715):632–3.
  4. The Netherlands Organisation forHealth Research and Development. Gender and Health: Knowledge Agenda. Den Haag; 2015.

Lizenz[Bearbeiten]

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Autoren[Bearbeiten]

Zuletzt geändert: 2021-11-03 23:42:50

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